, Volksstimme, Jürg Gohl

Durchs «Guckloch» die Kultur beleben

Mit dem «Guckloch» will «SissachLive» um Programmchefin Andrea Saladin die Wartezeit auf kulturelle Anlässe in der Oberen Fabrik überbrücken.

Sein erstes Betriebsjahr hat sich «SissachLive» ganz anders vorgestellt. Der Verein, der sich im Sommer 2019 mit dem Ziel konstituiert hatte, das kulturelle Leben in Sissach anzukurbeln und viele, breit gefächerte Anlässe in die Obere Fabrik zu bringen, musste die Ärmel schnell wieder herunterkrempeln. Denn kaum hatte vor zwölf Monaten das erste Betriebsjahr begonnen, zwang die Pandemie zum reihenweisen Absagen und Verschieben von Anlässen.

«Gemischte Gefühle» würden beim Rückblick zurückbleiben, sagt Andrea Saladin, die im Vorstand für das Programm zuständig ist. Denn Erfolge habe es durchaus auch zu verzeichnen gegeben. Sie schwärmt zum Beispiel vom Flamenco-Abend, der Ende Oktober unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt wurde und vielleicht gerade deshalb eine einzigartige Atmosphäre in die ehemalige Seidenband-Fabrik an der Ergolz zauberte. Oder sie erinnert an das «Kulturkarussell»: Mit allerlei Auftritten betrieb der Verein Anfang September in der Sissacher Begegnungszone Werbung in eigener Sache.

Mehrheitlich abgesagt
Aber das Negative behielt im Startjahr wegen Corona die Oberhand: 20 der 37 geplanten Anlässe wurden verschoben oder abgesagt. Und als der Vorstand mit Kabarettistin Stéphanie Berger über einen neuen Termin sprechen wollte, sagte sie mit der Begründung ab, dass sie wegen Corona mit Kabarett aufhöre.

Im Gegensatz zu den Auftretenden verliert der Verein durch die zahlreichen Streichungen kein Geld. Zwar leistet er sich eine 30-Prozent-Stelle für die Administration, doch durch die Absagen fielen die Honorare für Künstler und anderer Aufwand weg. Der Verein konnte dafür seine beiden übergeordneten Ziele nicht oder zumindest kaum erfüllen, und das ausgerechnet im Startjahr. «Wir wollen zum einen das kulturelle Angebot erweitern», fasst es Andrea Saladin zusammen, «und zum anderen Künstlern eine Bühne bieten, um sich zu präsentieren und, ganz banal, sich eine faire Gage zu verdienen.»

Als Konsequenz aus dem vergangenen Jahr verzichtet «SissachLive» vorerst darauf, halbjährliche Programme zu drucken. Die Zwangspause im Herbst wurde dazu genutzt, das Programm 2021 auf die Beine zu stellen, das bis dato 35 Anlässe vorsieht. Hoffend, dass bald wieder ein normalerer Betrieb möglich ist, sind – mutig – allein im Monat März fünf Anlässe vorgesehen. Und verraten sei schon, dass am 25. November Bundesrätin Viola Amherd Gesprächsgast im 100. von Robert Bösiger moderierten «Nachtcafé» sein wird.

China-Korrespondent beginnt
Doch das ist Zukunftsmusik. Um die Wartezeit zu überbrücken, hat «SissachLive» nach langem Abwägen das «Guckloch» ins Leben gerufen. Gäste, die im Januar und Februar hätten auftreten sollen, stellen dem Verein einen kurzen Video-Beitrag in Sinne einer Kostprobe zur Verfügung, der online betrachtet werden kann. Gast bei der «Guckloch»-Premiere ist Pascal Nufer, der sechs Jahre lang für das Schweizer Fernsehen in Shanghai als China-Korrespondent arbeitete und berichtete. Seit gestern ist sein Beitrag auf der Website online. Die Öffentlichkeit wurde mittels Newsletter und Facebook über die Veröffentlichung informiert. Und auch der nächste Beitrag in dieser neuen Reihe steht fest: Er wird von der Theatergruppe Eclat mit dem zur Gegenwart passenden Titel «Meier, Müller, Schulz oder Nie wieder einsam» bestritten.

Saladin bezeichnet das «Guckloch» als Notprogramm, das den Künstlern wenigstens eine kleine Möglichkeit bietet, online aufzutreten. Und das «Guckloch» soll den Mitgliedern in Erinnerung rufen, dass sich der vor einem Jahr euphorisch gestartete Verein «SissachLive» von Corona vielleicht bremsen, aber nicht stoppen lässt.