, Volksstimme, Anouk Jordi

«Es soll bereichern, inspirieren und beleben»

«Kulturkarussell» feiert seine Premiere in der Begegnungszone Der Kulturverein Sissach Live will am 5. September in der Begegnungszone Sissach mit dem «Kulturkarussell» seine neue Saison einleiten. Diese kulturelle Karussellfahrt soll einen Ausblick auf kommende Anlässe des Vereins bieten.

Als Auftakt zu ihrem neuen Programm veranstaltet der Vorstand des Vereins Sissach Live am 5. September in der Begegnungszone Sissach das «Kulturkarussell». Andrea Saladin, Programmverantwortliche bei «Sissach Live», sieht den Anlass als eine Art Neustart des im Januar gegründeten Vereins. Dieser hatte nach dem Corona-Veranstaltungsverbot einen erschwerten Start erlebt.

Hinter dem «Kulturkarussell» stehen drei Grundideen. Der Event soll zum einen als Plattform für Künstler dienen, die während des Lockdowns nicht auftreten konnten. Zum anderen soll der Anlass eine Talentbühne für bisher unbekannte Künstler darstellen sowie einen Ausblick auf das kommende Programm von «Sissach Live» bieten. Insgesamt warten dabei vier Attraktionen auf die Besucher: Für das deutschschweizerisch-französische Jazz-Trio «French connection» ist das «Kulturkarussell» ein Ersatz für den ursprünglich im Juni geplanten Auftritt. Als «Talentbühne» soll der Tag für die zwei Berner Tänzerinnen «Siams» dienen. Wenn sie gut beim Publikum ankommen, werden sie künftig vielleicht in der Oberen Fabrik auftreten. Florian Schneider und Sam Hagmann, oder auch «sHa», bieten einen Ausblick auf ihre späteren Auftritte bei «Sissach Live». Zusätzlich wird mit «Scéalta» ein Instrumental-Quintett mit gelegentlichen Gesangseinlagen eine Runde auf dem «Kulturkarussell» drehen. Saladin bezeichnet die englisch-irische Musik als sehr bewegend und lupfig, und damit sehr passend für das «Kulturkarussell».

Der Anlass wird laut Anita Crain, Präsidentin von «Sissach Live», bewusst an einem Samstag durchgeführt. Die Besucher und Passanten sollen wie auf ein klassisches Karussell kürzer oder länger aufspringen und es auch wieder verlassen können. Saladin kommt beim Erzählen ins Schwärmen: «Das ‹Kulturkarussell› soll bunt sein, die Besucher sollen sich wie Kinder auf dem Karussell aussuchen, was sie sehen wollen. Es soll Bewegung drin sein und eine möglichst grosse Vielfalt bieten, die so viele Leute wie möglich anspricht.» Wenn die Veranstaltung gut ankomme, werde der erste Samstag im September vielleicht sogar zu einer neuen Tradition, hofft derweil Crain.

Coronatauglich seit Beginn
Wie viele Zuschauer erwartet werden, sei schwer vorauszusagen. Es komme vor allem aufs Wetter an, man hoffe natürlich auf Sonnenschein. «Mit 200 bis 300 Besuchern rechnen wir aber schon», sagt Saladin. Sie persönlich rechne sogar eher mit 300 Personen. Crain würde sich freuen, wenn viele Passanten spontan stehen bleiben würden, weil ihnen der Act gefällt, oder wieder zurückkehren für etwas, das sie noch interessiert.

Obwohl verhältnismässig viele Zuschauer erwartet werden, ist Saladin davon überzeugt, dass Schutzmassnahmen in Bezug auf Corona kein Problem darstellen. Das «Kulturkarussell» sei kein so ein grosser Anlass wie beispielsweise der Sommermarkt. Das Programm erstreckt sich über den ganzen Tag mit Wiederholungen einzelner Auftritte. Dadurch müssen die Besucher nicht alle zum gleichen Zeitpunkt dort sein. Zudem ist der Anlass draussen und es wird keine Bestuhlung geben. «Die definitive Idee für den Anlass sowie die Planung sind erst während des Lockdowns entstanden. Das ‹Kulturkarussell› ist also von Anfang an coronatauglich geplant worden», sagen die Organisatorinnen. Sie verkaufen keine Verpflegung. Bei der kleinen, kostenlosen Gebäckausgabe werden Handschuhe und Greifzangen verwendet. Die Servietten müssen alle Besucher selber nehmen und es wird Desinfektionsmittel bereitstehen. Da die Abstände gut eingehalten werden können, verzichten die Organisatoren auf eine Maskenpflicht. Ausserdem seien die Interaktionen zwischen den Personen nie besonders lange, merkt Saladin an.

Aus diesen Gründen hat sich das Organisationsteam auch nie überlegt, den Anlass abzusagen. Ihnen seien die Massnahmen des Kantons bewusst und sie haben sich bereits seit Beginn der Planung daran orientiert. Saladin blickt optimistisch in die Zukunft und ist sich sicher, dass Kulturinteressierte ab September auch wieder Lust haben, Veranstaltungen zu besuchen. Ziel des «Kulturkarussells» ist es, als Verein bekannter zu werden und nach dem Corona-Lockdown neue Mitglieder zu gewinnen. Saladin will mit dem Anlass Raum für Kultur schaffen und sie fördern: «Das ‹Kulturkarussell soll bereichern, inspirieren und beleben», sagt Saladin.

Auch Kultur kostet
Kulturschaffende mussten wegen Corona zurückstecken. Deshalb will «Sissach Live» ihnen weiterhin eine Plattform bieten. Crain appelliert zudem an die Konsumenten, dass Kultur auch etwas kosten dürfe: «Viele Kulturschaffende leben davon und für jede andere Freizeitaktivität muss auch bezahlt werden.» Daher führte «Sissach Live» bei einigen Auftritten das neue System «Zahle, was du willst» anstelle einer freiwilligen Kollekte ein. So bezahlen die Besucher am Eingang einen Beitrag, der ihren Möglichkeiten entspricht, und nicht nur, wer will.

Saladin hofft, dass aus dem «Kulturkarussell» vielleicht sogar eine kleine Tradition wird. In diesem Jahr ist alles noch sehr klein und einfach gehalten, möglicherweise wird es in Zukunft, falls wieder möglich, grösser und vielleicht sogar mit Bühne. Crain ist derweil vorsichtiger und sagt, man müsse zuerst beobachten, wie die Premiere bei den Zuschauern ankomme. Die Chancen stehen aber sehr gut, es sei schliesslich auch ein Gewinn für Sissach und die Geschäfte, von denen sie von Anfang an viel Unterstützung bekommen haben.

Die Organisatoren sind damit noch offen hinsichtlich der Zukunft. Und obwohl sie der Meinung sind, man könne Kultur nicht kostenlos konsumieren, soll das «Kulturkarussell» ein Geschenk an die Bevölkerung darstellen. Einen Eintrittspreis und auch ein «Zahle, was du willst»-System gibt es nicht. Saladin lächelt und sagt: «Alle sollen eine Runde gratis Karussell fahren können.»