,

28.11.2020 - Klanglichter

Gernre: Klassische Musik
Datum: Samstag, 28.11.2020
Türöffnung: 15:30 Uhr
Beginn: 16:30 Uhr und 19:30 Uhr
Eintritt: CHF 35 / 20
Abonnement: CHF 120
Vorverkauf: klanglichter.ch 

David Pia, Violoncello
Paola De Piante Vicin, Klavier  

Nordische Stimmungsbilder

Der finnische Komponist Jan Sibelius war fasziniert von nationalen Musiktraditionen, er war überzeugt davon, dass nationale Eigenschaften wie Sprache, Geschichte und Landschaften sich in einem nationalen Kunststil reflektieren können und müssen. Er beschäftigte sich deshalb Zeit seines Lebens sehr stark mit dem „nordischen Idiom“ und schaffte es dadurch, seiner Musik an der Grenze zwischen Spätromantik und Moderne eine einsame und exklusive Position zu sichern, die ihm schon zu Lebzeiten grossen Respekt einbrachte. Ein Treffen im Jahr 1901 mit Antonín Dvořák, dem Meister der Verschmelzung nationaler Idiome mit klassischen Formen, beeindruckte Sibelius sehr und beeinflusste seinen Umgang mit musikalischem Nationalismus nachhaltig: „In Prag war ich bei Dvořák, der durch seine rücksichtslose Ehrlichkeit (nicht zuletzt gegen sich selbst) imponiert.“

Ein ganz anderes Ziel setzte sich der estnische Komponist Arvo Pärt: im Gegensatz zu Sibelius und Dvořák ging es ihm explizit um die Grenzenlosigkeit der Musik. Weder die Wahl des Instruments noch andere äussere Eindrücke sollten seine „absolute Musik“ beeinflussen. Sein Werk „Fratres“ strahlt winterliche Ruhe aus. Pärt schrieb es 1977 für beliebige Instrumente, mit auf ein absolutes Minimum reduzierten musikalischen Mitteln.

Dmitri Schostakowitschs kompositorisches Schaffen wiederum war in bedrückender Weise von den politischen Grenzen seiner Zeit beeinflusst. Die Cello-Sonate ist eines seiner berührendsten Werke. Sie bekennt sich nicht nur zur klassischen Form und zum romantischen Ausdruck, sondern setzt auch starke Akzente durch sarkastische Überhöhung von formalen Klischees. Das vernichtende Urteil der stalinistischen Kunstrichter liess nicht lange auf sich warten: sie warfen Schostakowitsch 1936 „linke Zügellosigkeit statt einer menschlichen Musik“ vor.